Zum Geleit
Zwanzig Jahre Berufsakademie in Sachsen: Was im Gesetzestext in der nüchternen Sprache der Juristen als Einrichtung des tertiären Bildungsbereichs bezeichnet wird, ist in diesen zwei Jahrzehnten zur dritten Säule neben den Universitäten und Hochschulen im akademischen Leben des Freistaates herangewachsen. Nach einem Modellversuch in Bautzen, Dresden und Meißen erfolgte schon 1994 eine gesetzliche Verankerung dieses dualen Studiums, das heute an sieben Standorten mit rund 50 verschiedenen Studienangeboten gelehrt wird. Die notwendigen Weihen der Kultusministerkonferenz, des Wissenschaftsrates und der EU sind alle erfolgt. Ein attraktives Festprogramm wird uns durch das Jubiläumsjahr führen und unsere Arbeit verdeutlichen.
Das „Original“ der Berufsakademien zeichnet sich durch hohe Erfolgsquote, kurze Verweildauer und günstige Kostenrelation aus. Angesichts des demografischen Wandels und dem gesteigerten Fachkräftebedarf wird es weiterhin zu den Stärken der Berufsakademien gehören, dass junge qualifizierte Absolventen dem Berufsleben ohne größere Anlaufzeit zur Verfügung stehen. Gewiss, auch unsere Wettbewerber im tertiären Bereich versuchen, durch berufsbezogene Komponenten einen stärkeren Praxisbezug ihrer Studierenden herzustellen. Die Praxisintegration der Berufsakademien bleibt aber unerreicht.
Zwanzig Jahre bedeuten auch 20.000 Absolventen, unsere BAlumni (!), von denen einige schon in den Führungsetagen angekommen sind. Das „Mutterland“ der Berufsakademie kommt schon bald ins „Schwabenalter“ von 40 Jahren und verfügt über 150.000 Absolventen.
Die Idee zur BA stammte 1971 aus den Denkfabriken der südwestdeutschen Industrie. Schon wenige Tage nach der Öffnung der Mauer erteilte der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth den Auftrag, für eine Partnerschaft Kontakte mit den drei sächsischen Bezirken herzustellen. Er sah in Sachsen wörtlich „einen weiteren Motor Europas“. Die wirtschaftlich herausragenden Regionen Europas sollten aus regionaler Stärke heraus die Kraftfelder, eben die Motoren der EU, bilden.
Damit war aber auch klar, dass dieses innovationsorientierte Land qualifizierte Absolventen eines dualen Systems benötigt, die praxistauglich sind und gleichwohl auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament aufbauen können.
Wie geht es nun weiter mit der jungen und agilen zwanzigjährigen BA? Panta rhei will man mit Heraklit sagen: Es spricht manches dafür, ähnlich wie in Baden-Württemberg vor zwei Jahren, die Berufsakademie in eine Duale Hochschule umzuwandeln.
Auch bedarf die Umstellung vom Diplom zum Bachelor sowie das System dieses Abschlusses noch vieler Diskussionen. Vor allem aber sollte man in ausgewählten Fächern einen eigenen Masterstudiengang aufbauen oder hier spezielle Verabredungen mit Hochschulen treffen. Um es mit Leipziger Worten zu sagen: Die Berufsakademie wird sich weiterhin vigilant bemerkbar machen.
Wir haben allen Anlass, der Politik, der Administration, den dualen Partnern, dem Lehrkörper und den Studierenden für 2 Jahrzehnte Engagement herzlich zu danken. Weiter so! Allen rufen ich für das Jubiläumsjahr ein herzliches Glückauf zu.
Prof. Dr. Wolfgang Zeller
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